DGmikro-Präsident Dr. Tomas Lang (Foto: Dr. Tomas Lang)

Mikroskopie vs. Endoskopie: Kongress der DGmikro bei van der Ven

„Mikro Masterclass – Neue Ansätze in der mikro-invasiven Chirurgie“ – unter diesem Titel veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für mikroinvasive Zahnmedizin e.V. (DGmikro) ihren diesjährigen Kongress am 4. November 2016 in unserem van der Ven–Stammhaus in Ratingen. Warum insbesondere das Mikroskop eine herausragende Bedeutung in der modernen Zahnheilkunde hat, erläutert DGmikro-Präsident Dr. Tomas Lang im Gespräch.

 

In der Dentalmedizin, wo das Behandlungsfeld kleiner als ein Fingernagel ist, kommt es auf Millimeter an, manchmal sogar auf Bruchteile davon. Damit jeder Eingriff unter extrem guter visueller Kontrolle geschieht, ist für Dr. Tomas Lang bereits seit vielen Jahren das Mikroskop unverzichtbar. Seine Begeisterung dafür möchte er gerne mit anderen Zahnärzten teilen und diejenigen, die bisher noch nicht damit arbeiten, von den Vorteilen und dem Mehrwert überzeugen.

 

Herr Dr. Lang, Operationsmikroskope werden seit 10-15 Jahren vermehrt in der Zahnmedizin eingesetzt. Was ist Ihr Resümee nach dieser Zeit?

Dr. Tomas Lang: Mikroskopie ist eine sinnvolle Ergänzung zu anderen bildgebenden Verfahren. Durch Röntgen kennt der Operateur zwar die Topografie, es kann aber nicht die visuelle Kontrolle während der Operation ersetzen. Wie effektiv die Arbeit mit einer solchen Kontrolle ist, zeigen die Erfolgszahlen aus der Endodontie: Dort ist die Prognose für eine erfolgreiche Behandlung neben den anderen Innovationen unter anderem durch die Mikroskopie von 50 Prozent auf über 90 Prozent gestiegen. Deshalb hat sich vor allem in diesem Bereich das Operationsmikroskop als Standard etabliert. Immer mehr Patienten wissen das und fragen gezielt danach. Vor allem jene, bei denen es nach einer Behandlung mit der konventionellen Methode Probleme gab und die daraufhin selbst recherchieren.

 

In der Endoskopie ist das Operationsmikroskop inzwischen Standard. Wie sieht es in den anderen zahnmedizinischen Disziplinen aus?

Dr. Tomas Lang: In der Endodontie gibt es strukturierte Weiterbildung zur Mikroskop-Anwendung, wodurch sich Routine einstellen kann. In den anderen invasiven Bereichen wird es nach wie vor nur vereinzelt angewendet. Einige ambitionierte Kollegen setzen Mikroskope etwa in der Füllungstherapie, der Prothetik, der Parodontologie, der Chirurgie, der Extraktionstherapie, beim Knochenaufbau und in der Implantologie ein. Die Herausforderung in den nächsten Jahren ist es, möglichst vielen Kollegen aus diesen Disziplinen das Mikroskopieren nahezubringen.

 

Gibt es bei den Geräten Trends und Entwicklungen?

Dr. Tomas Lang: Bereits bei den ersten Mikroskopen speziell für die Zahnmedizin wurde berücksichtigt, dass der Zahnarzt sitzend arbeitet und von oben in die Mundhöhle schaut. Deshalb sind die Geräte so konstruiert, dass der Zahnarzt durch das Okular blicken kann, ohne den Kopf neigen zu müssen. Das bedeutet einen großen ergonomischen Vorteil, denn es schont die Bandscheiben der Halswirbelsäule und die entsprechende Stützmuskulatur.
Doch das Mikroskop dient nicht nur der Vergrößerung und der besseren Ausleuchtung. Vielmehr unterstützt es die Therapie. Durch Veränderungen an der Beleuchtung des Mikroskops kann heute weißes Licht mit vermindertem blauen Wellenlängenanteil eingestellt werden, wodurch  sogar das Arbeiten mit lichthärtenden Materialien ohne vorzeitiges Aushärten möglich ist.
In Zukunft wird das Mikroskop immer mehr in der Diagnostik sowie in der geführten Behandlung eingesetzt werden. So könnte etwa eine Art Navigation für den Arzt in die Okulare der Mikroskope eingeblendet werden, die ihn über das OP-Feld führt. In der Augenheilkunde gibt es so etwas bereits.

 

Welche Anwendungsmöglichkeiten und Vorteile sehen Sie noch?

Dr. Tomas Lang: Damit der Zahnarzt die höhere Zuwendung zum Patienten auch kommunizieren kann, muss er ihm auch zeigen können, was er macht. Deshalb sind Dokumentationseinrichtungen gefragt, etwa HD-Kameras für Live-Mitschnitte oder eine Anbindung an einen Monitor. Damit kann der Patient direkt an Diagnose und Therapie teilhaben, sieht den Mehrwert für sich und kann die höhere Qualität der Arbeit wertschätzen. Im Übrigen helfen solche Dokumentationen auch beim Austausch der Zahnärzte untereinander, die sich anhand der Fälle von Kollegen weiterbilden.

 

Welche Möglichkeiten der Weiterbildung gibt es für Kollegen, die sich für den Bereich Mikroskopie und mikro-invasive Zahnmedizin interessieren?

Dr. Tomas Lang: Da das Interesse der Kollegen an der Mikroskopie wächst, veranstaltet die DGmikro in diesem Jahr einen eigenen Kongress zu diesem Thema. Auf dem DGmikro-Tag bei van der Ven wird es vor allem um mikrochirurgische Themen gehen wie Endoskopie und Mikroskope bei chirurgischen Eingriffen in der Endodontie. Im neuen van der Ven-Dentalzentrum haben die Experten alle technischen und räumlichen Möglichkeiten, die entscheidenden Inhalte zu vermitteln und sogar live zu demonstrieren. So wird es zusätzlich zu den Vorträgen eine Live-OP geben. Der Kongress ist gleichermaßen für Zahnärzte aus den Fachbereichen  Oralchirurgie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie Endoskopie interessant.

 

Save the Date – DGmikro Masterclass am 4. November 2016 in Ratingen
Thema: Mikroskopie vs. Endoskopie – Ergänzung oder Co-Existenz

Auf dem DGmikro-Tag thematisieren Experten die Möglichkeiten des Einsatzes des Endoskops in der Oralchirurgie und Endodontie, stellen diese dem Einsatz des OP-Mikroskops entgegen und erörtern Vor- und Nachteile beider Anwendungen.

Das Programm:
13.30 Uhr: Einlass
14.00 Uhr: Begrüßung durch DGmikro Präsident Dr. Tomas Lang mit einem Einblick in die Endo-Skopie
14.30 Uhr: Vortrag: Extraktion und Erhalt des bukkalen Knochens ohne Fremdmaterial
Referent: Dr. Gernot Mörig, Zahnarzt und Zahntechniker in eigener Gemeinschaftspraxis
16.20 Uhr: Vortrag: Der Weg der Wurzelspitzenresektion zur mikrochirurgischen Zahnerhaltung
Referent: Dr. Rasim Cankay, Oralchirurg in eigener Praxis
17.45 Uhr: Live-OP: minimalinvasive Wurzelspitzenresektion mit Dr. Rasim Cankay
18.30 Uhr: Vortrag:  Endoskopische Verfahren in der Oralchirurgie und Implantologie
Referent: Prof. Dr. Dr. Wilfried Engelke, Oberarzt in der MKG-Chirurgie Universitätsmedizin Göttingen

Die Teilnahmegebühr beträgt 29,00 Euro zzgl. MwSt. für Mitglieder und 105,00 Euro zzgl. MwSt. für Nichtmitglieder.
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Extra-Hinweis:
Am Folgetag, 5. November 2016 veranstaltet Dr. Gernot Mörig einen Workshop zum Thema seines Vortrags. Info und Anmeldung hier.