Die digitale Datenfusion sorgt für optimalen Workflow in der Dentalmedizin (Foto: Sirona)

Der digitale Workflow

Zweiter Teil: die Datenfusion

Ein Kommentar von Frank Giefer, Verkaufsleiter bei van der ven 4D

Was digitaler Workflow in der Praxis tatsächlich bedeutet und was eigentlich dazu zählt, klären wir in unserer mehrteiligen Serie zu diesem Themenkomplex. In Teil 2 beschäftigen wir uns mit der Datenfusion, die im Anschluss an die Datenakquise, also die Digitalisierung der Patientensituation, erfolgen muss.

 

Je nach Indikation und Fragestellung zum jeweiligen Patienten müssen die gesammelten Informationen aus den verschiedensten Quellen zusammenführt werden: Dicom-Daten aus 3D-Röntgensystemen, Modelldaten zum Beispiel als STL-Datensatz aus Modellscannern oder direkt aus Intraoralscannern, prothetische Planungen aus dem CAD, Bewegungsdaten aus Funktionsanalysen als XML und gegebenenfalls Bilddaten aus Oberflächenscans oder Fotografien. Aufgrund der verschiedenen Formate, der eventuell unterschiedlichen Qualitäten und der nicht einheitlichen Präzision ist eine solche Zusammenführung alles andere als trivial. Aktuell funktioniert sie nur perfekt in aufeinander abgestimmten Systemen.

Datenfusion mit Sirona

Mit Galileos Implant bietet Sirona ein System für das digitale Backwardplanning in der Implantologie an. Da man um die Qualität und die Formate der Daten aus den reinen Sirona-Komponenten weiß, ist die Zusammenführung der verschiedenen Quellen, das sogenannte Matchen, recht einfach. Durch die Markierung von zwei bis vier signifikanten Punkten im Röntgenvolumen und im CAD-Datensatz werden die Daten eindeutig zueinander gebracht und man erhält eine dimensionsgetreue Situation des Patienten. Das Gleiche gilt für Sicat-Function, bei dem zusätzlich zu dem Intraoralscan aus der Sirona Omnicam und den Röntgendaten aus Galileos noch die Funktionsdaten aus dem Sicat Jaw Motion Tracker (SICAT JMT+) aufgenommen werden. Die Komponenten aus einem Haus sind entsprechend aufeinander abgestimmt und bieten einen einfachen Workflow mit präzisen Ergebnissen.

Datenzusammenführung von unterschiedlichen Herstellern

Bei solchen systemimmanenten Komponenten ist man bei der Auswahl der Geräte entsprechend eingeschränkt. Deshalb muss man bei anderen Funktionen außerhalb des speziellen Workflows eventuell Kompromisse eingehen. So kann es sein, dass ein Sirona 3D-Röntgen-System nicht immer die optimale Lösung für alle Bedürfnisse in der Praxis ist. Oder es wird für das vorhandene CAD ein digitales Abformsystem eines anderen Herstellers bevorzugt. In der Praxis kommt es häufig vor, dass man die Daten von Geräten verschiedener Hersteller zusammenführen möchte, etwa die Röntgendaten von Hersteller A mit denen vom Intraoralscanner des Herstellers B und mit dem Modellscanner von C. Dies gelingt mit offenen Programmen, etwa mit Exocad oder auch byzz nxt 3D von Orangedental.

Ansicht im byzz nxt 3D von Orangedental (Foto: Dental Innovation GmbH)
Ansicht im byzz nxt 3D von Orangedental (Foto: Dental Innovation GmbH)

 

freeFLOW – digitaler Workflow mit Orangedental

Mit dem 4D-Workflow der Firma Orangedental ist es möglich, in der byzz nxt 3D freie Dicom-Daten aus verschiedenen Röntgensystemen mit STL-Daten aus verschiedenen Scan-Systemen zu kombinieren. Die hohe lokale Präzision von Modelldaten wird dabei mit der hohen geometrischen Präzision von Röntgendaten in Deckung gebracht. Dies geschieht durch die Trennung des Modells in drei Sektoren, so dass die jeweiligen Seitenzahnbereiche und der Frontzahnbereich getrennt voneinander gematcht werden. Die Bewegungsdaten kommen hier aus dem Freecorder Bluefox, der diese ebenfalls in einem offenen Format exportiert.

Datenfusion für ästhetische Frontzahnrestaurationen

Eine der einfachsten Kombinationen von Daten ist das Einblenden eines Patientenportraits in eine prothetische Planung, um die Frontzahnästhetik beurteilen zu können. Zunächst werden die Kiefer mittels optischer Abformung oder indirekt über einen Modellscanner erfasst und eine Restauration im CAD erstellt. Für die Kombination mit einem Portraitbild wird ein normales Foto des Patienten mit geöffnetem Mund über einen virtuellen Avatar gelegt und somit in eine dreidimensionale Form gebracht. Stellung, Form und Größe der Frontzahnrestauration sind somit besser beurteilbar und erlauben ästhetische Korrekturen für ein optimales Ergebnis.

Das Einblenden eines Patientenportraits in eine prothetische Planung, um die Frontzahnästhetik beurteilen. (Visualisierung: Sirona)
Das Einblenden eines Patientenportraits in eine prothetische Planung, um die Frontzahnästhetik zu beurteilen. (Visualisierung: Sirona)

 

Komplexere Zusammenführungen

Die Kombination von klassischem zahntechnischen CAD mit Bewegungsdaten aus einer Funktionsanalyse ist hingegen komplexer. Denn nicht alle Datenformate lassen sich zusammenführen. Gegebenenfalls muss man digital erfasste Daten noch analog in die CAD-Software einfügen. Trotzdem sind die Informationen für die prothetische Arbeit äußerst wertvoll, denn sie ermöglichen das zahntechnische Design nicht im virtuellen Mittelwertartikulator, sondern mit der tatsächlichen Patientensituation. Hierdurch erhält man einen hundertprozentig passenden Zahnersatz ohne Einschleifen.

Fortsetzung der Serie zum digitalen Workflow

Die einzelnen Einsatzgebiete für einen digitalen Workflow sowie die Produktion der Ergebnisse werden im nächsten Beitrag unserer Serie noch etwas genauer beleuchtet: digitaler Workflow Teil 3 – Produktion mit CAM. Wichtig ist, dass nicht alle Systeme einfach miteinander kombinierbar sind und eine Prüfung der Kompatibilität eventuell bereits vorhandener Technik unumgänglich ist.

In solchen und anderen Fällen helfen die van der ven 4D-Experten. Sie besprechen mit dem Kunden seine Anforderungen an den digitalen Workflow in Praxis und Labor, prüfen etwaig vorhandene Komponenten und ergänzen diese mit passenden Produkten für einen einfachen Arbeitsablauf und präzise Ergebnisse.