Bei der Fortbildung „Der besondere Patient“ stand ein breites Themenspektrum rund um die Anästhesie bei Risiko- und Angstpatienten sowie Notfallmanagement auf der Agenda. (Fotos: vE&K)

Möglichkeiten der Lokalanästhesie für Risiko- und Angstpatienten

Der besondere Patient kann jede Zahnarztpraxis herausfordern: ob als Risikopatient mit Vorerkrankung, ob als akuter medizinischer Notfall oder als Angstpatient. In unserer Fortbildung zeigten wir unter anderem, was Zahnärzte bei der Wahl des Anästhetikums bei Risikopatienten beachten müssen und wie sie mit dem Angebot einer Lachgassedierung eine Versorgungslücke füllen können.

 

Insuffiziente Schmerzausschaltung gehört zu den Hauptgründen einer Zahnarztphobie. Umso wichtiger ist daher die differenzierte Lokalanästhesie. Mit dieser grundlegenden Erkenntnis führte Privatdozent Dr. Dr. Eik Schiegnitz ins Thema ein. Für den Facharzt für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Klinik und Poliklinik für MKG-Chirurgie der Universitätsmedizin Mainz ist Articain sowohl für die Infiltrations- als auch die Leitungsanästhesie in der Regel das Mittel der Wahl. Die marktführende Arznei überzeuge im Vergleich mit Lidocain durch den signifikant höheren Anästhesieerfolg bei gleichem Nebenwirkungsprofil, was zahlreiche Studien belegten. Auch sollte jeder Behandler die unterschiedliche Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung sowohl bei Menschen aus unterschiedlichen Kulturen als auch zwischen den Geschlechtern berücksichtigen. Detailliert beleuchtete Dr. Dr. Schiegnitz die verschiedenen Applikationsarten der Lokalanästhesie, wann, wo und wie welche Form indiziert ist. Insbesondere widmete er sich der Leitungsanästhesie, erklärte ihre korrekte Durchführung und welche möglichen Komplikationen auftreten können – zum Beispiel Überdosierung – und warum Alternativen erforderlich sind.

Besondere Patienten ganz unterschiedlicher Art

Die besonderen Patienten unterteilte Dr. Dr. Schiegnitz nach ihren verschiedene Vorerkrankungen: arterielle Hypertonie, koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz, Rhythmusstörungen, Endokarditis und Diabetes mellitus. Für alle Risikopatienten erläuterte er, worauf bei der Anamnese zu achten sei, welche Lokalanästhetika oder welche weiteren Maßnahmen, zum Beispiel perioperative Antibiose, empfehlenswert sind. In diesem Zusammenhang stellte Dr. Dr. Schiegnitz die bessere Alternative zu dem von Zahnärzten bei odontogenen Infektionen am häufigsten verordneten Antibiotikum vor: Amoxycillin. Besonders viele Fragen der Zuhörer gab es beim Thema Nervverletzung und daraus resultierender Gerichtsurteile. Um als Behandler rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, empfahl Dr. Dr. Schiegnitz vor der Lokalanästhesie unter anderem die Patienten schriftlich aufzuklären und großen Wert auf eine gute Dokumentation zu legen.

Was tun im Notfall?

Was zu tun ist, wenn ein Patient kollabiert und so plötzlich zum besonderen Patienten wird, vermittelte Dr. Kristina Gärtner. Um im Ernstfall gut reagieren können, riet die Kinderärztin am Essener Elisabeth-Krankenhaus unter anderem dazu, einen Alarmplan zu erstellen und durchzuspielen. „Wenn Sie ein Codewort vereinbaren, können Sie Ihre Mitarbeiter ganz diskret um Hilfe bitten“, lautete einer ihrer Tipps. Denn eine Grundregel im Notfall ist: Nie alleine bleiben. Auch müsse der Patient nicht aus dem Zahnarztstuhl gehoben werden, um in eine stabile Lage gebracht zu werden. Dr. Gärtner betonte die Wichtigkeit der gut durchgeführten Thoraxkompression und erklärte, wie bestimmte Medikamente in einer solchen Extremsituation einfach zu verabreichen sind. Für eine unkomplizierte Adrenalingabe empfahl sie beispielsweise einen Anapen, wie ihn Insektenstich-Allergiker mit sich führen. Ebenfalls leiste eine Cook-Nadel gute Dienste, um Medikamente relativ einfach intraossär einbringen zu können. Für die Zusammenstellung des Notfallkoffers gab sie den Rat: „Am besten haben Sie darin nur solche Medikamente und Hilfsmittel, die Sie sich auch trauen anzuwenden!“ In einer praktischen Übung konnten die Teilnehmer ihr Wissen zur CPR auffrischen.

Ein Gas gegen die Angst

Beim Thema Lachgassedierung ging Zahnarzt Jesko Gärtner als erfahrener Anwender ins Detail, erläuterte die einzelnen Schritte theoretisch und verdeutlichte mögliche Kontraindikationen. Sie sei eine gute Lösung für Angstpatienten, darunter auch Kinder. „Ihnen allen hilft die Lachgassedierung für eine sichere und entspannte Behandlung“, berichtete Zahnarzt Jesko Gärtner. Davon konnten sich die Teilnehmer – einer schlüpfte in die Patientenrolle – bei einer Lachgassedierung im Live-OP selbst überzeugen.
Als erfahrener Anwender wies Jesko Gärtner darauf hin, dass in Sachen Sedierung eine große Patientennachfrage auf ein geringes Angebot trifft. Lachgas hat für ihn das Potenzial, diese Versorgungslücke zu schließen. „Vorteil für Patienten ist, dass sie nach nur 20 Minuten wieder verkehrstüchtig sind und keine Begleitperson benötigen – in Zeiten steigender Single-Haushalte ist das nicht zu unterschätzen“, so Jesko Gärtner. Er als Behandler schätzt, dass er keinen begleitenden Anästhesisten benötigt und die Patienten kooperativer sind, was auch für ihn die Arbeit entspannter mache. Zudem sei eine Lachgassedierung günstiger als eine Narkose und entsprechende Kurse und fachgerechtes Equipment seien überschaubare Voraussetzungen.

Stimmiges Gesamtpaket

Das Feedback der Teilnehmer für diese Weiterbildung war durchweg positiv. „Das Gesamtpaket hat gestimmt“, kommentierten zwei Zahnärzte das Gehörte und Gesehene. Und eine junge Zahnärztin, die an diesem Tag das erste Mal bei van der Ven war, resümierte: „Ich habe alle Infos zu modernen Betäubungsmitteln und Antibiotika in der Zahnmedizin bekommen, die ich wollte, – und freue mich schon auf den nächsten Besuch hier im Haus.“

Die Veranstaltung führte van der Ven mit freundlicher Unterstützung von Sanofi durch.

 

Impressionen von der Fortbildung „Der besondere Patient“